Peru: Effizienz. Ökonomie. Nachhaltigkeit.

Heute am Beispiel: Einkaufen.
Du gehst in den Supermarkt, vorbei an einigen Sicherheitsbeauftragten, die unter Umständen beim Verlassen des Marktes deine Einkäufe überprüfen werden. An der Käse-Ecke steht eine Frau und bietet dir Käse zum Probieren an. Du nimmst dankend an, gehst weiter, kostest im Vorbeigehen noch einen Tee, eine Süßigkeit und Champignons (jeweils von einer anderen Person angeboten) und kommst beim Obst an. Dort suchst du dir beispielsweise eine Pepino aus, packst sie in eine Plastiktüte und gehst zu dem jungen Mann, der umgeben ist von einigen Waagen und von einer zur anderen hetzt, um dort die jeweilige Nummer des heraufgelegten Obstes einzutippen und das herauskommende Preisschild auf die Tüte zu kleben.
Nachdem du dein Obst markieren lassen hast, gehst du in Richtung der Kasse, wobei du einem Sicherheitsmann und einer Person, die den Boden schrubbt, ausweichst. Bei der Zahnpasta triffst du auf eine junge Frau im Colgate-Outfit, beim Shampoo eine Dame in entsprechender „Marken“-Kleidung. Sie alle beraten dich gerne, wissen aber letztlich vermutlich auch nicht mehr als du über das angebotene Produkt. An der Kasse angekommen freust du dich über kurze Schlangen, wartest jedoch trotzdem nicht weniger lange als in Deutschland an einer Warteschlange der dreifachen Länge. Die Kassiererin (nicht nur im gleichen Outfit wie ihre Kolleginnen, sondern auch mit der gleichen Frisur und dem gleichen Haarband) packt dir deine Einkäufe in Tüten ein. (Der Plural wurde mehr als bewusst gesetzt: Für einen Einkauf, für den ich in Deutschland meinen Rucksack und einen Stoffbeutel verwende, erhalte ich hier mindestens 5 Plastikbeutel. Die schwereren Artikel zuerst aufs Laufband zu legen, macht hier absolut keinen Sinn, da nach Größe sortiert wird – und sollte es einmal zwei schwerere Dinge geben, die einen Plastikbeutel der gleichen Größe benötigen, so werden halt zwei Plastikbeutel verwendet.)
Du  bezahlst, verlässt das Gebäude und bekommt von mehreren Seiten ein Taxi angeboten (zum Teil werden dir deine Einkäufe direkt von der Kasse zum Taxi getragen). Nicht wenige Leute machen davon Gebrauch; dass einem die Einkäufe anschließend direkt vor die Haustür getragen werden ist eine Selbstverständlichkeit.
Als du zu Hause bist, hast du Hunger. Von deinem Käsebrot trennen dich nun noch 4 Schichten Klarsichtfolie – eine ums das Brot, drei um den Käse. Ende.
Für Mülleinsparung scheint hier genauso wenig ein Bewusstsein zu existieren wie für Mülltrennung.
An jeder Ecke gibt es irgendwelche Jobs – Positionen, die man in Deutschland schlichtweg streichen würde. Dies nicht nur im Supermarkt, sondern beispielsweise auch auf der Straße, wobei ich nicht nur von jenen Leuten spreche, die vor roten Ampeln versuchen, zwischen den Autos Geld zu verdienen. Es gibt Menschen, die dich in einen Parkplatz hineinwinken, um dann dein Auto zu putzen und dafür ein wenig Kleingeld zu erhalten. An jeder Ecke trifft man auf einen kleinen rollbaren Kiosk. Schuhputzer sind in San Borja minderjährige Jungen, die auf dem Gehweg hocken, wenn sie jemandem das Schuhwerk säubern; im Zentrum gibt es Sitze mit Vorrichtungen, auf denen die Füße abgestellt werden können, sodass der Schuhputzer vergleichsweise komfortabel die Schuhe polieren kann, während ihr Träger sitzen und beispielsweise Zeitung lesen kann. Sitzt du im Bus, so kommt es vor, dass an einer Haltestelle eine junge Frau hereinspringt, die einen Behälter mit Süßigkeiten darin an sich gebunden hat und so schnell durch den Bus eilt und ihre Waren anbietet, dass sie (falls niemand etwas kauft) schon wieder verschwunden ist, bevor der Bus wieder losfährt. Im Bus selbst befindet sich nebst Fahrer noch eine Person, die in bester Marktschreier-Marnier an jeder Haltestelle den Leuten die Strecke des Busses zuruft und Ausschau nach Personen hält, die nicht an der Haltestelle stehen, aber trotzdem einsteigen wollen.
Unterm Strich: Zum einen vielleicht alles nicht besonders effizient, aber man lässt die Leute machen. Wenn hier jeder Straßenhändler eine Genehmigung bräuchte… undenkbar. Dennoch: Ich frage mich oft, wie die Menschen von (und mit!) diesen Tätigkeiten leben können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.